Tests und Erfahrungen von mir
Mobilfunknetze im Stresstest
Vier Betreiber von Mobilfunknetzen gibt es in der Bundesrepublik. Neben den bisherigen Primus Telekom kämpfen auch Vodafone, E-Plus und O2 um die Gunst der Handynutzer in Deutschland. Viele Nutzer stellen sich vor dem Abschluss eines neuen Vertrages die Frage, welches Netz am besten sei. Diese Frage hat sich auch die Stiftung Warentest gestellt und ist ihr in einem groß angelegten Test auf die Spur gegangen. Überraschend sind die Ergebnisse des unabhängigen Prüfinstituts nicht - alle Betreiber schneiden im Kern gut ab.
Die Belastung steigt
Zwei Wochen lang fuhr die Stiftung Warentest mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug quer durch die Republik. Es wurden Metropolen und das Hinterland angefahren. Insgesamt legte das Prüffahrzeug eine Strecke von mehr als 4.000 Kilometer zurück - eine Strecke vom portugiesischen Lissabon bis ins russische Moskau. Untersucht wurde die Qualität der vier Handynetze, die einer immer stärkeren Belastung ausgesetzt sind. Der Telefon- und Datenverkehr nimmt durch die vermehrte Verbreitung von Smartphones mit mobilem Internet deutlich zu, hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdreifacht. Die Betreiber reagieren drauf und bauen ihre Netze aus - das ist regional aber sehr unterschiedlich.
Ins Netz gegangen
Funklöcher, wie sie früher vermehrt aufgetreten sind, gehören längst der Vergangenheit an. Noch immer gibt es sie, sie treten allerdings sehr selten auf. Die Netzverfügbarkeit ist bei allen Anbietern gut, wobei die Telekom sowohl auf dem Land als auch in der Stadt die geringsten Ausfälle verzeichnet. Dicht dahinter liegen O2 und Vodafone - bei E-Plus wurden die meisten Netzausfälle registriert. Die gute Verfügbarkeit führt zu einer bundesweit durchweg guten Sprachqualität, wer mit seinem Handy telefonieren möchte, muss sich über die Wahl des Anbieters keine großen Gedanken machen.
Die Datenfalle
Deutlich gravierender fallen die unterschiedlichen Netzstärken bei Datenverbindungen aus. Die Zahl angemeldeter Smartphones in Deutschland steigt stetig an - immer mehr Bundesbürger nutzen das Handy, um überall und jederzeit in das Internet gehen zu können. Unter der steigenden Belastung für die UMTS-Netze leidet vor allem E-Plus. Das Netz des Betreibers zeigt sowohl in Ballungsgebieten als auch auf dem Land die größten Schwächen, verzeichnet die mit Abstand längsten Wartezeiten bei Downloads oder dem Aufbau einer Internetseite. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist die durchschnittliche Wartezeit mehr als drei Mal so lang, die Downloadgeschwindigkeit fast vier Mal langsamer als bei dem jeweiligen Schnellsten. Für Datentarife eignet sich E-Plus nur bedingt.
Kopf-an-Kopf-Rennen
Schnelle Netze für das mobile Surfen werden immer wichtiger, die Telekom und Vodafone sind dafür gerüstet. Während der bisherige Primus Telekom seine Führungsposition knapp behaupten kann, liegt Vodafone nur einen Wimpernschlag dahinter. Mit einer Downloadrate von 3.400 Kilobit pro Sekunde in Ballungszentren liegt die Telekom vor Vodafone (2.800 KB/s), O2 (2.100 KB/s) und deutlich vor E-Plus (900 KB/s).
Für einen schnellen Seitenaufbau und schnellem Surfen im Web sehen die Anforderungen anders aus, da punktet Vodafone mit einer Wartezeit von durchschnittlich sechs Sekunden in Ballungsgebieten. Die Telekom und O2 sind unwesentlich langsamer, lediglich E-Plus hinkt mit 24 Sekunden deutlich hinterher.
Fazit: Zwei Mal "gut, zwei Mal "befriedigend"
Die Telekom bietet nach wie vor das besten Handynetz in der Bundesrepublik, ist im Vergleich mit Vodafone aber nicht mehr als ebenbürtig. Beide Netze sind empfehlenswert, weil sie auch für das mobile Internet bereits gut ausgebaut sind und ein schnelles Surfvergnügen garantieren. O2 kann sich leicht abgeschlagen auf dem dritten Platz behaupten, telefonieren ist bundesweit ohne größere Probleme möglich, beim Internet müssen leichte Abstriche abgemacht werden. E-Plus fällt vor allem wegen der langsamen Internetverbindungen deutlich zurück und bildet das Schlusslicht. Immerhin kann der Anbieter mit den günstigsten Tarifen punkten, eine Datenflat ist bereits ab 20 Euro pro Monat verfügbar. Für einen gleichen Tarif verlangen Vodafone und Telekom mit 30 beziehungsweise 40 Euro deutlich mehr Geld.
Autor: Nordlicht