Tests und Erfahrungen von mir
Hausnotrufdienste - Im Notfall zur Stelle
Ältere Menschen und Personen mit Behinderungen, die in ihrem Alltag körperlich eingeschränkt sind, müssen nicht zwangsläufig in einem Pflegeheim untergebracht werden. Ihre Alltagskompetenz reicht in vielen Fällen vollkommen aus, um noch selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Damit diese Personen im Falle eines Notfalls, beispielsweise durch einen Sturz, umgehend Hilfe rufen können, bieten immer mehr Verbände und private Anbieter den sogenannten Hausnotruf an. Die Stiftung Warentest hat zwölf dieser Anbieter getestet, stieß dabei auf gute Ansätze, erkannte aber auch Potenzial für Verbesserung der Dienste.
Jederzeit erreichbar
Der Hausnotrufdienst zeichnet sich dadurch aus, der er den betroffenen Personen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche im Notfall zur Verfügung steht. Alarmiert der oder die Betroffene den Notruf, sollte sich innerhalb einer Minute ein Mitarbeiter der Notfallhotline der Anfrage annehmen. Von den zwölf Anbietern, die die Warentester exemplarisch in den Gebieten Berlin und München testen, war dies leider nicht immer der Fall. Die Johanniter-Unfall-Hilfe reagiert umgehend auf den Notruf, das Deutsche Rote Kreuz (DRK)- Testsieger im Vergleich - ebenfalls. Dass es aber auch anders geht, bewiesen vor allem die privaten Anbieter D.S.P. & Hausnotruf und ASD Hausnotruf. Die Betroffenen mussten in jedem Fall mindestens eine Minute warten.
Eine Frage der Technik
Damit der Hausnotruf schnellstmöglich alarmiert werden kann, ist eine Installation einer Notrufanlage notwendig. Das war in den meisten Fällen relativ einfach und konnte selbst erledigt werden. Einige Anbieter bieten auch eine Beratung und Installation vor Ort an, versuchen dabei aber auch gelegentlich den Dienst etwas zu aufdringlich an den Mann zu bringen - so geschehen beim Malteser Hilfsdienst.
Der Notruf wird über einen Funksender ausgelöst, dieser kann in Form einer Uhr, einer Kette oder einer Brosche jederzeit bei sich getragen werden. Auch im Badezimmer, beim Toilettengang oder beim Waschen sollte der Sender am Mann sein. Wird Alarm ausgelöst, wird ein Sprechkontakt zur Notrufhotline ausgelöst.
Problematische Kommunikation
An der Kompetenz der Servicemitarbeiter muss nach Meinung der Stiftung Warentest noch gearbeitet werden. Bei nahezu jedem Anbieter gab es Fehler in der Kommunikation. So informierte man sich in den seltensten Fällen über Einzelheiten oder blieb mit dem Betroffenen in Sprechkontakt, bis ein Angehöriger oder ein Notarzt eingetroffen ist. Es mangelte zudem an Verhaltenstipps oder aufmunternden Worten. Für die Bewertung des Hausnotdienstes wurde dies zu Lasten des Gesamturteils ausgelegt.
Schlimmer aber ist noch der Fall, wenn aufgrund einer mangelhaften Technik oder ausbleibender Kontrolle bei Inbetriebnahme gar kein Sprechkontakt möglich war. Die Wahl des richtigen Platzes für das Notrufgerät mit Freisprecheinrichtung ist daher sehr wichtig. Während das Deutsche Rote Kreuz bei der Beratung in diesem Kriterium für sich punkten konnte, fiel der Anbieter WertVision klar durch. Eine Sprachverständigung war kaum möglich.
Sieger und Verlierer
Wie erwähnt, ging das DRK als Testsieger hervor. Punkten konnte der Anbieter in erster Line durch seinen Kundenservice und der fachkundigen Einweisung in die Technik. Nur knapp dahinter konnten sich der Malteser Hausnotdienst und die Johanniter-Unfall-Hilfe platzieren - auch hier verteilten die Warentester das Gesamturteil "Gut".
Wo Licht ist, da ist auch Schatten - in diesem Fall in Form von drei lediglich "ausreichenden" Gesamturteilen. Die privaten Anbieter Telecare24 und WertVision fielen im Test durch eine langsame Reaktion auf den Notruf, einer mangelhaften Betreuung am Telefon und einer mangelhaften Installation der Technik auf. Trotz guter Beratung und einer fachkundigen Einweisung in die Bedienung der Technik verdiente sich auch der Arbeiter-Samariter-Bund nur ein "ausreichendes" Gesamturteil. Schuld daran waren dieselben Faktoren wie bei den anderen zwei Anbietern. Hier sehen die Warentester ein deutliches Verbesserungspotenzial.
Autor: Nordlicht